Hochbegabung


"Intelligenz ist die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen."
Steven Hawking


Überflieger – mühelos lernen, super Noten, super Karriere...


Intelligenz, IQ, Kreativität sind kognitive Kategorien, die oft benutzt werden, um Hochbegabung zu beschreiben. Doch diese Beschreibung fasst zu kurz. Andere Persönlichkeitsmerkmale sind zum Beispiel ein besonders intensives Erleben von Gefühlen und Emotionen oder Unbeholfenheit in sozialen Interaktionen.
Weil ihre Gedankengänge für andere Menschen oft nicht einfach nachzuvollziehen sind,

Unverstanden


Gerade die Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen, führt dazu, dass Hochbegabte typischerweise missverstanden und unterschätzt werden von ihren Mitmenschen, von ihrer Umwelt, und traurigerweise meist auch von sich selber. Das führt dann nicht selten dazu, dass sie ihr Potenzial nicht entfalten können. Sie spüren zwar vielleicht sogar, dass da etwas ist, aber sie wissen nicht was oder sie glauben nicht daran. Können ist nicht ernst nehmen.

Eine unglaubliche Verschwendung, für die Betroffenen selber, aber auch für die Menschheit.

Einsamkeitsgefühle


Sich nicht verstanden fühlen, bewirkt, dass sich hochbegabte Menschen oft einsam fühlen und sich als Aussenseiter empfinden - ähnlich wie Hochsensible.
In meiner Erfahrung sind die beiden wichtigsten Herausforderungen für sie: dass ihre Hochbegabung überhaupt erkannt wird und besonders dass sie von den Menschen selber akzeptiert wird. Das fällt vielen schwer.

Unerkannt


Hinzu kommt, dass es äusserst schwierig ist, über das Thema zu reden. Wer sagt von sich schon, „ich bin hochbegabt“? Mit so einer Aussage kann man fast nur missverstanden werden. Das Risiko ist gross,  das Etikett "eingebildet" oder "hält sich für etwas besseres" zu bekommen. Man würde sich damit höchstens noch weiter ins Abseits manövrieren und so geschieht es, dass viele ihre Hochbegabung verstecken und sich verstellen (müssen).
Kein gesunder Zustand.

Die Chance der Früherkennung


Wird die ausserordentliche Begabung wird im Kindesalter erkannt, kann das Kind gefördert werden. Besondere Bedürfnisse und Auffälligkeiten werden berücksichtigt, das soziale Umfeld kann so gestaltet werden, dass das Kind seine Begabung als normal empfindet.

Wenn die Hochbegabung in der Kindheit nicht erkannt wird hat das Kind früh das Gefühl, anders als die anderen zu sein. Und es weiss nicht warum. Es versucht sich anzupassen, besonders seine Leistungen, will nicht auffallen, weil es vielleicht negative Erfahrungen gemacht hat, gehänselt oder ausgegrenzt wird. Das Selbstwertgefühl beginnt zu leiden und es kann gut passieren, dass das Kind deswegen nur mittelmässige oder sogar schlechte Leistungen erbringt. Niemanden fällt so die besondere Intelligenz auf. Die Gefahr ist gross, dass so ein Kind depressiv wird oder auffällige Verhaltensweisen entwickelt, die ihm das Leben noch schwerer machen.


Das verkannte Genie: Vorsicht, Rücksicht, Verzicht


Im Erwachsenenalter werden die Auswirkungen unerkannter Hochbegabung noch gravierender empfunden, es kann sein, dass man einen völlig falschen Lebensweg eingeschlagen hat, erfolglos, unter den Erwartungen geblieben ist. Depression entwickelt, weil die eigenen Bedürfnisse nicht ernst – oder vielleicht gar nie wahrgenommen wurden. Einsamkeit und ein niedriges Selbstwertgefühl sind oft die Folgen. Hochbegabte können aus diesem Grund leicht zum Spätzünder werden.
Aber besser spät als nie!


4 einfache Hauptmerkmale:


  • hohe Intelligenz
  • grosses Wissensbedürfnis
  • Originalität
  • gesunder Menschenverstand

Eine Auswahl der vielfältigen Wesenszüge im Einzelnen:

kognitiv:
  • originell, ungewöhnliche Ideen, Kreativität, verbindet scheinbar voneinander unabhängige Ideen. Überlegenheit beim logischen Denken, Generalisieren und Probleme lösen.
  • lebhafte und reiche Vorstellungskraft
  • extensiver Wortschatz, verbale Fähigkeiten, ist von Worten fasziniert, lernt schnell neue Dinge, vorzügliches Langzeitgedächtnis, begierige Leser
  • lernt Neues schnell
  • ausgezeichnetes Langzeitgedächtnis
  • komplexe und tiefe Gedankengänge, abstraktes Denken
  • gleichzeitiges Denken in verschiednene Richtungen, schnell

Wahrnehmung, Emotionen
  • hochsensibel
  • hoher Sinn für (aussergewöhnlichen) Humor
  • sehr aufmerksam, gutes Beobachten
  • leidenschaftlich, intensives Fühlen
  • empfänglich für kleine Veränderungen im Umfeld
  • Bewusstsein für Dinge, die andere nicht bemekrne, erfährt die Welt anders
  • kindliches Staunen
  • kann mit Zweideutigkeit und Komplexität gut umgehen
  • offen für Erfahrungen

Motivation, Werte
  • Perfektionistisch, stellt hohe Ansprüche an sich und andere
  • sehr wissbegierig
  • sehr unabhängig, weniger motiviert durch Belohnungen oder Lob
  • sucht die ultimative Wahrheit, nach Mustern und Zusammenhängen, nach dem Sinn des Lebens
  • Empörung bei Ungerechtigkeit, guter Gerechtigkeitssinn
  • mag Herausforderungen, eine Neigung Risiken einzugehen
  • starke moralische Überzeugung, Integrität, Aufrichtigkeit
  • Elan, viele Interessen
  • visionär, freies Denken
  • mag Ideen und leidenschaftliche Diskussionen


Aktivität
  • viel Energie, wenn im richtigen Element (kann in ungünstiger Umgebung verloren gehen)
  • lange Aufmerskamkeitsspanne
  • kann nicht aufhören zu denken
  • braucht Phasen des Rückzugs, des Alleinseins
  • spontan


Soziale Beziehungen
  • hinterfragt Regeln und Autoritäten
  • empfindet sich als anders, nicht in Übereinstimmung mit anders, Gefühl von Entfremdung
  • sehr mitfühlend
  • empathisch, schwingt mit anderen mit, hilft ihnen sich selber zu verstehen


 

Wie äussert sich Hochbegabung bei Kindern typischerweise?


  • Häufiges Fragestellen, ausgeprägte Neugierde.
  • Hohes Detailwissen und sehr gutes Verständnis von Zusammenhängen
  • Lernen durch Verknüpfung
  • hohe Motivation und Freude, komplexe Zusammenhänge zu verstehen
  • liebt selbstständiges Arbeiten, hat hohe Ziele
  • Auswendiglernen fällt schwer, weil es langweilt
  • Langeweile bis hin zu Arbeitsverweigerung bei Routineaufgaben.
  • Hang zum Perfektionismus
  • Hohe moralische Ansprüche, starkes Gerechtigkeitsgefühl
  • kritisches Hinterfragen von Autoritäten.
  • Auffälligkeiten in Kindergarten und Schule (z.B. unkonzentriert, da gelangweilt, aggressiv, da unverstanden etc.).
  • fühlt sich schon als Kind unverstanden, Aussenseiter, nicht dazugehörig, fremd
  • häufiges Gefühl von Einsamkeit
  • Als Kind intellektuell weiter entwickelt als Gleichaltrige, emotional aber auf alterstypischem Niveau.
  • Wahl deutlich älterer Freunde.

Hochsensibilität


Manchmal ist Hochbega­bung mit Hochsensibilität verknüpft. Eine intensive Sinneswahrnehmung kommt hinzu und das Leben wird für die Betroffenen eher noch anstrengender. Geräu­sche, Gerüche, Licht, Gefühle anderer Menschen werden früher und viel stärker wahrgenommen. Die tägliche Überflutung durch Wahrnehmungsreize für zu einer Verarbeitungsüberlastung: es wird mehr aufgenommen, als im Moment verarbeitet werden kann. Der Kontakt mit anderen Menschen kann anstrengend werden. Das führt zu Rückzug, der nicht immer auf Verständnis trifft und beim sich Rückziehenden Schuldgefühle bewirken kann.

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