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Struktur

Ich arbeite ja unter anderem im Bereich Notfallpsychologie und Krisenintervention.


Ausnahmezustand bedeutet eine jähe Auflösung des Gewohnten, bedeutet Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Darum ist es etwas vom Wichtigsten, dass wir, wenn sich unser Leben im Ausnahmezustand befindet, dafür sorgen so viel Sicherheit und Normalität wie möglich wiederzuerlangen. Und das gelingt uns über Struktur.

Struktur ist ein einfaches Mittel, das allen von uns zur Verfügung steht, selbst unter sehr schwierigen Bedingungen.

Wie können wir Struktur in unser tägliches Leben bringen?

Durch Routinen und Rituale. 


Wir können noch nicht über den 19. April hinaus planen, aber wir können jeden einzelnen Tag planen. Tag für Tag - vielleicht DAS Mittel zum Überwinden von Krisen,  da können einige von Ihnen bestimmt mitreden.
Es lässt sich ganz einfach einsetzen:


1.       Routine und Zeitplanung:

Wann stehe ich auf; wann erledige ich meine täglichen Aufgaben; wann sorge ich für Bewegung; wann gehe ich hinaus in die Natur; was sind meine Essenszeiten; welche Nahrungsmittel stärken mich besonders gut; wie halte ich Kontakt mit wem; wie viele Nachrichten brauche ich heute; was nehme ich mir für den Abend vor; wann gehe ich schlafen?


2.       Rituale, die mir gut tun:

  • ein Gedicht, ein Zitat oder eine kurze Geschichte lesen, beim Aufstehen, beim Schlafengehen
  • morgendlicher Sonnengruss
  • tägliches Schreiben
  • eine Skizze anfertigen
  • sich gegenseitig vorlesen (geht auch online)
  • 5-minütige Fussmassage
  • Gedanken der Dankbarkeit
  • Atemübungen, Meditation, am offenen Fenster in unsere Mitte kommen
  • Singen
  • Tanzen
  • mir vorstellen, was ich tun werde, wenn diese Zeit überwunden ist


3.       Absichten:

  • Neues lernen und täglich vertiefen  – jetzt haben wir die Chance
  • Erledigen, was auf der langen Bank liegen geblieben ist
  • Andere Verhaltensweisen
  • Planen, was wir nach der Krise tun, oder nicht mehr tun, wollen


Das sind nur einige Beispiele und es ist mir klar, dass es nicht immer gelingt, den Fokus 100-prozentig auf diese Routinen und Tätigkeiten zu richten, das wäre zu viel erwartet. Aber je öfter wir das tun, umso besser wird es klappen (das haben wir wohl alle schon beim häufigeren Händewaschen erlebt). Und ein Trost liegt vielleicht auch darin, dass andere, ungeliebte Routinen eine Weile wegfallen, wie etwa im Stau stehen oder ganz gewöhnlicher Alltagstrott...


Wir alle mussten unser Leben in kurzer Zeit ziemlich umstellen, aber wir haben momentan noch Glück, wir haben mehr Spielraum als die Menschen in den Ländern um uns herum. Das hat sehr positive Konsequenzen: Wir werden nicht einfach gezwungen, vielmehr  können wir alle aktiv etwas dazu beitragen, damit wir diese Zeit gemeinsam so gut wie möglich überstehen. Das fühlt sich viel besser an, nicht wahr - sorgen wir alle dafür, dass es auch so bleibt!


Ihre Franziska Elsaesser

PS
Es würde mich freuen zu erfahren, welche Routinen, Rituale und Absichten Ihnen helfen!

PPS
Im Moment ist das erst einmal alles von meiner Seite, es findet gerade eine ziemliche Informationsflut statt, da halte ich mich eine Weile zurück.